Ein Sieg für Sivert: Giacomel siegt vor Nawrath und Dale-Skjevdal
Ein Sieg für Sivert: Giacomel siegt vor Nawrath und Dale-Skjevdal
Ein Gänsehaut-Moment beim BMW IBU Weltcup Biathlon in Oberhof: Nach seinem Sieg im Sprint der Männer zeigte der Italiener Tommaso Giacomel mit dem Finger in Richtung Himmel – ein stiller Gruß an seinen kurz vor Weihnachten verstorbenen Freund Sivert Guttorm Bakken. Bereits vor dem offiziellen Start hatten tausende Zuschauer in der ARENA am Rennsteig gemeinsam mit den Athleten eine Gedenkminute für den Norweger abgehalten. Eine Minute ohne Worte, aber mit anhaltendem Applaus für einen beliebten Sportler, der in Oberhof nicht nur eine sportliche Lücke hinterließ. Viele Athleten, darunter auch der spätere Sieger Giacomel, kämpften dabei sichtbar mit den Tränen.
Sportlich lieferte Giacomel trotz der mentalen Belastung ein überragendes Rennen ab. Der Italiener leistete sich wie viele Spitzenathleten nur einen Fehler und sicherte sich souverän mit 13,2 Sekunden Vorsprung auf DSV-Star Philipp Nawrath den Sieg (in 25:01,7 Minuten). Doch die Freude war eine getrübte. „Es ist einer der besten Tage meiner Biathlon-Karriere – und gleichzeitig einer der schlimmsten. Sivert ist nicht mehr hier. Das ist sein Sieg“, erklärte Giacomel später.
Nawrath stark – deutsches Ausrufezeichen
Aus deutscher Sicht sorgte Philipp Nawrath für ein Ausrufezeichen in Richtung Olympia. Der 31-Jährige lief ein kontrolliertes, clever eingeteiltes Rennen, patzte nur einmal am Schießstand und sicherte sich mit der viertschnellsten Laufzeit unter dem Beifall des Oberhofer Publikums einen starken zweiten Platz (25:14.9). Vor allem auf der Schlussrunde zeigte Nawrath seine Klasse. „Das ist eine riesige Erleichterung“, sagte der Nesselwanger im Ziel. „Ich habe in Oberhof bisher immer Schwierigkeiten gehabt, wieder ins Wettkampfprogramm reinzukommen“, sagte der 32-Jährige, der sich diesmal auf die Besonderheiten einzustellen wusste. „Am Birxsteig bin ich bewusst kontrolliert geblieben, hinten raus hatte ich dann noch richtig gute Beine.“ Auch ihn ließen die Ereignisse rund um den Tod von Sivert Bakken nicht kalt: „Das ist alles sehr hart. Das waren Wahnsinns-Emotionen heute.“ Platz drei ging an Johannes Dale-Skjevdal, der mit einem Fehlschuss am ersten Schießstand und der besten reinen Laufleistung das Podest komplettierte (ein Schießfehler, +25,2 Sekunden).
Weitere deutsche Leistungen: viel Licht, aber auch Schatten
Hinter dem Podest zeigte sich das deutsche Team mit einer insgesamt guten Teamleistung. Lokalmatador Philipp Horn belegte einen starken Rang sieben (ein Schießfehler, +38,7 Sekunden). „Ich habe versucht, mich von den Zuschauern tragen zu lassen – hinten raus wurde es brutal hart, da musste ich dem hohen Anfangstempo Tribut zollen“, resümierte der 31-Jährige, der dennoch die achtschnellste Laufzeit ablieferte. David Zobel überzeugte mit Platz zwölf (ein Schießfehler, +59,9 Sekunden) und sicherte sich somit die halbe Olympia-Norm: „Ich komme gar nicht aus dem Grinsen raus. Der Birxsteig hat richtig Spaß gemacht und die Ski waren überragend“, sagte der 29-Jährige im Ziel.
Einen Achtungserfolg erzielte der Oberhofer Lucas Fratzscher, der auf Rang 16 mit einer ordentlichen Laufleistung, die halbe Olympia-Norm nur ganz knapp verpasste (zwei Schießfehler, +1:24,1 Minuten). Einen gebauchten Tag erwischten Justus Strelow als 46. (drei Strafrunden, +2:13,0 Minuten) sowie Johannes Kühn als 60., der mit fünf Schießfehlern deutlich hinter den Erwartungen blieb (+2:27,7 Minuten).